Restrukturierung von Leclanche verzögert sich – pv magazine Deutschland

Das geplante Joint Venture zur großskaligen Herstellung von Lithium-Ionen-Batterien soll weiter geschaffen werden, doch es werden noch weitere Investoren gesucht. Die Eneris Gruppe hat ihre Zusagen vorerst ausgesetzt und der Hauptaktionär FEFAM hat einen Überbrückungskredit von 34 Millionen Schweizer Franken bereitgestellt, um Leclanche mehr Zeit für den Aufbau eines Joint Ventures für eine großskalige Batteriezellproduktion zu verschaffen.

Anfang Juni verkündete Leclanche, sich neu aufstellen zu wollen. Es schloss eine Vereinbarung mit der polnischen Eneris Gruppe zur Gründung eines Joint Ventures zum Aufbau einer Batteriezellfertigung in Deutschland. Zudem sah der Plan vor, ab dem vierten Quartal 2020 das Unternehmen in zwei eigenständige Geschäftseinheiten – eTansport Solutions und Stationary Storage Solutions – aufzuspalten. Dabei sollte auch das Geschäft mit spezialisierten Batteriesystemen entweder verkauft oder in einem Joint Venture an einen oder mehrere strategische Aktionäre übertragen werden.

Mitte September berichtet Leclanche nun über Verzögerungen bei der Restrukturierung. „Aufgrund der jüngsten Entwicklungen im Zusammenhang mit Verzögerungen von bestimmen Projekten bedingt durch Covid-19 haben Leclanché und die Eneris Group beschlossen, ihre Beziehung und dessen Zeitplan im Lichte des neuen Kontexts neu zu bewerten“, heißt es am Dienstag von dem Schweizer Batteriehersteller. Die Anfang Juni angekündigten Vereinbarungen, einschließlich der Technologie-Lizenzvereinbarung (TLA), des Abkommens über industrielle Zusammenarbeit und des Darlehensvertrags, welcher ursprünglich eine Finanzierung von bis zu 42 Millionen Schweizer Franken für Leclanché vorsah, seien „vorerst ausgesetzt“. Gleichzeitig sei auch die erste Tranche des Darlehens über 5 Millionen Schweizer Franken ausgesetzt und noch unklar, ob weitere Finanzmittel durch die Eneris Gruppe zur Verfügung gestellt würden oder die erste Tranche zurückerstattet werden müsse.

Der Hauptaktionär von Leclanche, FEFAM, ist daher mit einem Überbrückungskredit von 34 Millionen Schweizer Franken eingesprungen, wie es weiter hieß. Es sei ein monatlicher Abrufplan, vorbehaltlich bestimmter Bedingungen, vereinbart worden. Auf diesem Wege wolle FEFAM die Reorganisation des Unternehmens weiter unterstützten. „Nachdem wir in den letzten Jahren mehr als 240 Millionen Schweizer Franken in das Unternehmen investiert haben, freuen wir uns, dass das Unternehmen eine kritische Größe erreicht hat, um zwei selbständige Geschäftseinheiten zu schaffen. Somit entsteht ein klarer Investitionsanreiz/Anlagevorschlag für neue Investoren, die neben unseren bisherigen beträchtlichen Investitionen Referenzaktionäre werden wollen“, erklärte Marc Lefebvre, Präsident von FEFAM.

Auch wenn die Kooperation mit der Eneris Gruppe zunächst auf Eis gelegt ist, scheint nicht ausgeschlossen, dass sie dennoch fortgesetzt wird. „Wir glauben fest an die Zusammenarbeit mit Leclanché zum Aufbau einer fortschrittlichen europäischen Batterieproduktion“, sagte Artur Dela, Präsident der Eneris Gruppe. „Das Darlehensinstrument, das zu einem bestimmten Zeitpunkt des ‚Lock-down‘ gewählt wurde, hat sich als nicht angemessen erwiesen. Wir arbeiten weiter an den direkten Investitionen in den Bereichen Industrie, Technologie und Forschung & Entwicklung.“

Neben der Eneris Gruppe werden jetzt weitere Investoren gesucht. Nach der positiven Rückmeldung aus dem Markt habe Leclanche beschlossen, die geplante Kapazität des Produktions-Joint-Ventures in zwei Phasen auf 2,4 Gigawattstunden jährlich zu erhöhen. Hauptkunden des Schweizer Unternehmen hätte Interesse bekunden, strategische Aktionäre dieses Joint Ventures zu werden. Zur Finanzierung des Geschäftsplans sei der Verwaltungsrat dabei, eine Bank mit dem Kapitalbeschaffungsprozess zu beauftragen. Zudem bestätigte Leclanche, dass es seine Ende Juni von den Aktionären genehmigte Umwandlung von Schulden in Eigenkapital in Höhe von 50,93 Millionen Schweizer Franken durchführen werde. Darüber hinaus habe der Verwaltungsrat mit Golden Partner die Umwandlung von weiteren 10,71 Millionen Schweizer Franken der Schulden in Eigenkapital vereinbart.

„Um diese Umwandlung einer zusätzlichen Schuld von 10,71 Millionen Schweizer Franken in Eigenkapital umzusetzen, wird der Verwaltungsrat am 17. September 2020 parallel zur Umsetzung der Umwandlung der Schuld in Eigenkapital in Höhe von 50,93 Millionen Schweizer Franken eine Kapitalerhöhung aus dem genehmigten Aktienkapital zu einem Umwandlungspreis von 0,5348 Schweizer Franken pro Aktie und unter Ausschluss des Bezugsrechts der bestehenden Aktionäre beschließen“, hieß es weiter. Der Schuldenberg des Unternehmens werde damit erheblich reduziert und danach bei etwa 15 Millionen Schweizer Franken liegen. Für 2022/2023 strebt Leclanche ein ausgeglichenes EBITDA an. Danach soll ein profitables Wachstum des Unternehmens erreicht werden.